Begegnungen mit Tieren auf Reisen mit Baby oder Kind – was passt, was nicht?
Kinder und Tiere – das ist oft Liebe auf den ersten Blick. Auch wir merken unterwegs immer wieder, wie fasziniert unser Kleiner auf Tiere reagiert: sei es das kleine Vögelchen, das beim Frühstück in Thailand von Tisch zu Tisch läuft, um ein paar Krümel abzustauben oder der Hirsch mit dem imposanten Geweih im örtlichen Wildpark, der stolz umherstolziert.
Doch genau hier beginnt auch die Verantwortung. Nicht jede tierische Begegnung ist unbedenklich, aber auch nicht jede direkt tierunfreundlich. Von klassischen Zoos über Aquarien bis hin zu Elefantencamps in Asien – die Angebote sind vielfältig, aber teilweise auch umstritten.
In diesem Blogartikel möchten wir unsere Erfahrungen teilen, Vor- und Nachteile verschiedener Angebote beleuchten und Tipps geben, wie Familien bewusst entscheiden können: Welche Tierbegegnungen sind für Babys und Kleinkinder geeignet – und welche lassen wir bewusst aus?
Tiere in kontrollierter Umgebung
In vielen kleineren Städten gibt es Wildparks, in größeren häufig Zoos oder auch Aquarien – wenn man eine Reise mit Baby oder Kind plant, stößt man früher oder später eigentlich immer auf ein solches Angebot. Während wir in den letzten Jahren als wir noch als Paar gereist sind hauptsächlich auf Begegnungen mit Tieren in (semi-)freier Wildbahn gehofft haben, werden diese Tierparks und Aquarien mit Kind erstmal wieder attraktiver. Aber ist es moralisch vertretbar, solche Einrichtungen zu besuchen?
Zuerst kommen uns da doch einige Nachteile in den Sinn:
- Viele Tiere leben in beengten Gehegen mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit.
- In der künstlichen Umgebung können sie ihre natürlichen Verhaltensweisen wie Jagd, soziale Strukturen und Revierverhalten nicht (vollständig) ausleben.
- Für Tiershows werden Tiere unnatürlich trainiert.
- Die Menschenmengen und der Lärm können die Tiere stressen.
- Man weiß nie, wie die Tiere behandelt werden.
Allerdings bieten sie auch ein paar Vorteile:
- Sowohl Kinder als auch Erwachsene können die Tiere aus nächster Nähe erleben und auf Infotafeln oder durch Erklärungen mehr über sie erfahren, wodurch sie einen Bildungseffekt haben.
- Viele moderne Zoos und Aquarien beteiligen sich an Zuchtprogrammen und Artenschutzprojekten.
- Häufig wird versucht, den natürlichen Lebensraum der Tiere bestmöglich nachzubilden.
- Die Tiere können in für Mensch und Tier sicherer Umgebung beobachtet werden.
- Für die Besucher bieten diese Einrichtungen meist eine gute Familieninfrastruktur, oft mit Wickelräumen, Kiosk und Spielplätzen.
Sind Zoos, Aquarien und Tierparks nun also gut oder schlecht? Wir glauben, dass es hier kein schwarz und weiß gibt, sondern eher sehr viele Graustufen. Natürlich ist es wünschenswert, dass es den Tieren gut geht und sie nicht zum Entertainment von Menschen leiden müssen. Viele der Tiere, die in Zoos oder Aquarien leben, wurden allerdings schon in Gefangenschaft geboren und wären in der freien Wildbahn überhaupt nicht überlebensfähig. Wenn diese Einrichtungen nicht besucht werden und Einnahmen fehlen, leiden vermutlich als allererstes die Tiere selbst. Und wie so oft: es gibt sicherlich viele Parks, in denen die Mitarbeiter sehr um das Tierwohl bemüht sind und andere, in denen weniger gute Bedingungen herrschen.
Zoo, Aquarium und Wildpark sind für uns ein klares „es kommt darauf an“. Bevor wir einen Besuch planen, informieren wir uns und lesen Rezensionen. Wenn daraus schon ersichtlich wird, dass die Tiere schlecht behandelt werden, in viel zu kleinen Gehegen leben oder wir ein schlechtes Bauchgefühl haben, lassen wir lieber die Finger davon. Wenn wir allerdings den Eindruck haben, dass die Einrichtung gewisse Standards erfüllt und viel Wert darauf gelegt wird, dass es den Tieren gut geht, besuchen wir gerne auch mal einen Tierpark oder Zoo.
Tiere in (semi-)freier Wildbahn
Mit Walen schwimmen, Löwen in freier Wildbahn beobachten oder Alligatoren beim Sonnen zuschauen – das klingt nach Abenteuer. Nicht nur wenn man mit Kind reist, auch als Erwachsener sind das Erlebnisse, die man nie vergisst – und wenn die Tiere in freier Wildbahn leben, ist das doch völlig unbedenklich, oder?
Hier haben wir tatsächlich zuerst an die positiven Aspekte gedacht:
- Die Tiere sind in ihrem natürlichen Lebensraum und können sich frei bewegen.
- Wenn man Tiere in freier Wildbahn sieht, wirklichen die Begegnungen intensiver und authentischer.
- Man entwickelt Respekt und ein Bewusstsein für die Natur und Tierwelt.
- Häufig werden Nationalparks durch die Besuchereinnahmen (mit)finanziert und somit unterstützt jeder Besuch auch diese Schutzgebiete.
- Den Tieren geht es gut, sie leben so wie es von der Natur vorgesehen ist.
Allerdings gibt es auch hier ein paar negative Punkte:
- Auch in freier Wildbahn können viele Besucher und der Lärm (etwa durch Autos oder Boote) die Tiere stressen.
- Wilde Tiere sind unberechenbar, keiner kann für Sicherheit gewährleisten.
- Nicht jeder Anbieter von Safaris oder Bootstouren zu wilden Tieren arbeitet verantwortungsvoll.
- Motorisierte Touren können Lärm und Abgase verursachen, Besucher können Müll liegenlassen und so den Tieren schaden.
- Wilde Tiere sind nicht „planbar“, Sichtungen können nicht garantiert werden.
Somit ist auch bei den Tierbegegnungen in freier Wildbahn nicht alles Gold, was glänzt. Genauso wie bei Zoos, Tierparks und Aquarien gibt es auch bei den Anbietern für Touren zu frei lebenden Tieren große Unterschiede: wenn Boote beispielsweise zu nah an Wale heranfahren, werden die Meeressäuger gestört, sollten sie von selbst zum Boot schwimmen, ist das eine andere Sache. In vielen Ländern gibt es mehr oder weniger strenge Gesetze für derartige Touren. Vor allem hat man es aber auch hier wieder selbst in der Hand, welche Anbieter man unterstützt. Wir informieren uns hier immer sehr ausführlich und vergleichen die Angebote – gerade bei Touren, die zu Tieren führen, würden wir im Zweifel lieber ein paar Euro mehr ausgeben und dafür wissen, dass es ein verantwortungsbewusster Veranstalter ist – mit solchen Touren schadet man den Tieren so wenig wie möglich und kann mit gutem Gewissen Beeindruckendes erleben.
Sonderfall: Sanctuarys
Tierauffangstationen, die beispielsweise Elefanten, Kängurus oder Robben entweder aus Gefangenschaft befreien oder verletzte Tiere aufnehmen, sind doch nochmal etwas anderes als Zoos, Tierparks oder Aquarien, in denen die Tiere teilweise auch bewusst gezüchtet werden. Häufig haben diese Sanctuarys das Ziel, die Tiere aufzupäppeln und dann wieder auszuwildern, falls das nicht möglich ist, bleiben sie allerdings auch manchmal ihr Leben lang in diesen Auffangstationen. Ist das vielleicht die perfekte Lösung, um guten Gewissens Tiere aus nächster Nähe sehen zu können?
Auch hier gibt es einige offensichtliche Vorteile:
- Häufig steht der Tierschutz im Fokus, diese Einrichtungen nehmen oft verletzte, misshandelte oder aus Shows/Zirkussen befreite Tiere auf.
- Meist wird versucht, ein möglichst artgerechtes Umfeld zu schaffen, teilweise mit dem Ziel, die Tiere wieder in die Freiheit zu entlassen.
- Bildung und Aufklärung werden oft großgeschrieben, Besucher werden ausführlich über Probleme und Möglichkeiten zum Artenschutz informiert.
- In seriösen Einrichtungen gibt es keine Shows und keine Angebote, die den Tieren schaden, wie beispielsweise Elefantenreiten.
- Häufig finanzieren sich diese Einrichtungen durch Spenden und Eintrittsgelder, also kann der Besuch direkt dazu beitragen, dass Tieren geholfen wird.
Allerdings finden sich auch hier Kritikpunkte:
- „Sanctuary“ ist kein geschützter Begriff, manche Einrichtungen nennen sich so, achten aber dennoch nicht auf das Tierwohl.
- Auch hier werden die Tiere durch den Lärm der Besucher beeinträchtigt.
- Tiere, die viel durchgemacht haben, können verändertes Verhalten zeigen.
- Für Reisende ist oft nicht leicht zu erkennen, ob es sich um ein „echtes Schutzprojekt“ oder um eine „Touristenfalle“ handelt.
- Selbst „gute Einrichtungen“ haben einen gewissen finanziellen Druck und müssen Einnahmen erzielen, so ist die Balance zwischen Tierwohl und Besucherinteresse nicht einfach.
Alles in allem gilt hier sicherlich dieselbe Faustregel wie bei den vorherigen Optionen: vorher ausführlich über den Anbieter informieren und prüfen, ob es sich um ein seriöses Schutzprojekt handelt. Wenn das der Fall ist, bietet ein Sanctuary oft tolle Möglichkeiten, um beeindruckende Tiere aus der Nähe zu sehen.
Was ist mit Baby oder Kleinkind sinnvoll – und was nicht?
Gerade für kleine Kinder ist es häufig angenehmer, wenn die Tiere gut sichtbar sind und es eine gewisse Infrastruktur gibt. Ein Schnorchelausflug zu Meeresschildkröten oder eine Trekking-Tour zu frei lebenden Menschenaffen ist sicherlich nicht für kleine Babys geeignet. Selbst eine Safari halten wir in den ersten Jahren nicht für optimal, erstens sind die Tiere häufig weit entfernt und zweitens dauert sie meistens einige Stunden. Vermutlich ist ein Besuch im Wildpark, auf dem Bauernhof oder im Zoo für Baby und Kleinkinder die sicherste und entspannteste Möglichkeit, Tiere zu sehen. Wie so häufig auf Reisen mit Baby: es muss nicht größte und beeindruckendste Park sein, durch den man den ganzen Tag hetzt, ein kürzerer Besuch in einer kleineren Einrichtung bietet meist ausreichend Optionen und ist somit eine gute Lösung für die ganze Familie. Und wenn die Kleinen etwas größer sind, warten dann noch ganz neue Abenteuer.
Unsere No-Gos
geschadet oder Schmerz zugefügt wird, ist das für uns allerdings ein No-Go. Deshalb sind hier einige Punkte, die für uns nicht infrage kommen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
- Auf Elefanten reiten: die Tiere werden oft schon als Babys brutal behandelt, um gefügig zu sein
- Fotos mit betäubten Wildtieren wie Tigern: Stress und Missbrauch für ein Bild
- Streicheln von Tierbabys, die dafür von ihren Müttern getrennt werden
- Souvenirs aus Tierprodukten wie Elfenbein, Korallen oder Fellen: ist häufig auch illegal
Fazit
Bei Begegnungen mit Tieren gibt es meist viel Für und Wider. Auf der einen Seite ist es für Groß und Klein spannend, (wilde) Tiere aus der Nähe zu sehen, auf der anderen werden sie dadurch beeinträchtigt. Es ist nicht einfach, hier immer die richtige Entscheidung zu treffen – und was „richtig“ ist, sieht sicherlich jeder etwas anders. Wir selbst haben früher auch mal Einrichtungen besucht, die wir heute eher meiden würden. Sicherlich haben wir auch durch unsere Reisen ein anderes Bewusstsein dafür bekommen – und vielleicht ist es manchmal auch nötig, sich etwas anzuschauen, um zu erkennen, dass man das in Zukunft nicht mehr machen möchte. Wir hoffen, dass wir mit diesem Artikel etwas Orientierung bieten konnten – es ist nämlich viel sinnvoller, zu informieren statt zu verurteilen. Mit verantwortungsbewussten Entscheidungen lassen sich die beeindruckenden Erlebnisse dann auch viel besser genießen.