Die Testreise

Obwohl unser erster “richtiger” Urlaub auf Sizilien schon gebucht war, wollten wir vorher noch eine kurze Testreise mit dem Auto machen. Unser Kleiner war zweieinhalb Monate alt, wir waren schon ein ziemlich gut eingespieltes Team und eigentlich zuversichtlich, dass unsere erste Reise klappen würde – aber ein bisschen Unsicherheit war doch dabei, denn unser Kind hatte noch nie woanders als Zuhause geschlafen, war noch nie länger als ein paar Stunden unterwegs gewesen und somit hat es sich einfach irgendwie wie ein ziemlich großer Schritt angefühlt, direkt nach Italien zu fliegen. Der Zwischenschritt eines Testwochenendes sollte uns allen also ein bisschen Erfahrung und Routine mit dem Alltag woanders verschaffen.

Was ist eine Testreise?

Eine Testreise ist ein Kurztrip, der nur eine oder wenige Nächte dauert und bei dem das Reiseziel nicht allzu weit entfernt ist. Das Ziel davon ist es, eine “Generalprobe” für eine längere Reise zu haben und zu testen, was eingepackt werden muss, wie der Alltag unterwegs ist und wie es klappt, woanders als im eigenen Bett zu schlafen – und das alles ohne Druck. Wenn uns jemand fragen würde, wie die ideale Testreise aussieht, würden wir sagen: zwei Übernachtungen in einem schönen, kinderfreundlichen Hotel, das maximal 1-2 Fahrstunden von zuhause entfernt ist und kein “Programm”, sondern einfach auf sich zukommen lassen. Wir haben hier unseren eigenen Tipp allerdings nicht befolgt, wir sind ungefähr 4 Stunden nach Nordrhein-Westfalen gefahren, um dort auf eine Messe zu gehen und im Anschluss zwei Nächte zu übernachten – dennoch war es so genau richtig für uns.

Warum lohnt sich ein Test-Wochenende?

Wenn man das erste Mal mit Baby einen Ausflug macht, ist man doch schon ziemlich angespannt – haben wir alles Nötige eingepackt? Was machen wir, wenn das Kind nur weint? Wie reagiert das Baby auf die fremde Umgebung? Irgendwie ist einfach viel Unsicherheit im Gepäck und mit mehr Routine wird diese immer kleiner – genau das ist auch der Ansatzpunkt der Testreise. Bei solch einem Kurztrip könnt ihr als Familie den Alltags unterwegs üben: in neuer Umgebung schlafen, (Still-)Mahlzeiten unterwegs erleben und angepasste Routinen finden. Ihr seht, wie das Baby in einem anderen Umfeld klarkommt und merkt, welche Dinge ihr gut hättet gebrauchen können und was unnötig war. Und all das relativ stressfrei, denn ihr seid nicht weit weg und wenn alle Stricke reißen, könntet ihr einfach wieder nach Hause fahren. Diese Erfahrung gibt Selbstvertrauen und Zuversicht für die erste größere Reise. Als wir uns auf den Weg gemacht haben, waren wir tatsächlich etwas nervös, ich hatte den Kleinen noch nie zuvor auf einer öffentlichen Toilette gewickelt, wusste nicht, ob es vor Ort einen guten Platz zum Stillen gibt und habe gehofft, dass wir unser Baby nicht überfordern. Etwas Angst hatte ich auch vor einer schlaflosen Nacht, in der unser Kind lauthals das ganze Hotel wachhält – völlig unbegründet, er hat friedlich geschlummert und auch sonst hat alles besser geklappt als erwartet und wir haben somit unserer Flugreise sehr viel positiver entgegengeblickt.

So plant ihr eure Testreise

Am besten schaut ihr in eurer Umgebung nach einem Hotel oder einer Ferienwohnung – das, womit ihr euch am wohlsten fühlt. Wenn euch gewisse Ausstattungsmerkmale wie Babybett, Hochstuhl oder Küche wichtig sind, solltet ihr bei der Auswahl der Unterkunft darauf achten und gegebenenfalls direkt anfragen. Wenn ihr zwei Übernachtungen bucht, erlebt ihr einmal einen kompletten Tag unterwegs und habt etwas mehr Zeit, euch auszuprobieren als bei nur einer Nacht. Am besten legt ihr den Termin nicht in eine stressige Phase wie beispielsweise direkt hinter einen Impftermin, wenn ihr auf Nummer Sicher gehen wollt, bucht stornierbar.

Worauf solltet ihr achten?

Wenn möglich, plant ihr gar nicht viel Programm ein, habt aber ein paar Optionen, wie ihr euch beschäftigen könnt. In erster Linie geht es darum, den “Alltag unterwegs” einmal zu erleben und zu sehen, was gut läuft und was nicht. Am meisten habt ihr von dem Testlauf, wenn das Reiseerlebnis dem, was ihr auf späteren Reisen vorhabt, ziemlich nah kommt – also wenn ihr einen Badeurlaub machen möchtet, achtet ihr am besten darauf, dass auch eure Test-Unterkunft einen Pool hat und wenn ihr einen Wanderurlaub plant, schaut ihr, dass ihr zumindest eine Möglichkeit für einen großen Spaziergang habt. So könnt ihr tatsächlich testen, wie eure Abläufe dann auf der “richtigen Reise” funktionieren. Haltet euch aber alle Optionen offen, wenn ihr in der Unterkunft seid und merkt, dass ihr euch jetzt keinen Ausflug zutraut, dann lasst es lieber sein: alles kann, nichts muss.

Unser Fazit

Unsere eigene Testreise war sehr hilfreich für uns. Wir haben schnell gemerkt, dass wir von einigen Sachen viel zu viel eingepackt hatten (mit den Windeln hätten wir locker eine Woche Urlaub machen können), von anderen etwas zu wenig. Das Unterwegssein hat super geklappt: wickeln auf der öffentlichen Toilette war gar kein Problem, ein ruhiges Plätzchen zum Stillen habe ich immer gefunden, der Kleine war im Kinderwagen oder der Trage hoch zufrieden und hat nachts super geschlafen. Am ersten Abend haben wir aber gemerkt, dass ein großer Restaurantbesuch nun vermutlich doch etwas zu viel des Guten wäre und haben lieber nur etwas auf die Hand geholt. In einer Situation lief es allerdings etwas anders als erwartet: am ersten Morgen waren wir beim Hotelfrühstück, unser Baby hatten wir in den Kinderwagen gelegt und direkt neben unseren Tisch platziert. Wir hatten uns nacheinander etwas vom Buffet geholt während der jeweils andere bei ihm war und als wir essen wollten, wurde er sehr unruhig und hat geweint. Ich habe mir dann einfach die Trage umgeschnallt und hin- und herwiegend mit Baby in der Trage im Stehen gefrühstückt – Baby war glücklich und somit wir auch. Eigentlich war es kein “großes Ding”, aber irgendwie doch so eine Situation, vor der wir etwas Respekt gehabt hatten: wir sind in der Öffentlichkeit und unser Baby weint. Dieser Moment hat uns gezeigt, dass e seine Lösung gibt – sei es nun die Trage oder zur Not zurück auf das Zimmer zu gehen. Mit Baby läuft nicht immer alles glatt, aber wenn man als Familie reisen möchte, klappt das auch. Uns hat das Testwochenende sehr viel Selbstvertrauen gegeben – und die Vorfreude auf die zukünftigen Reisen gesteigert, denn nun wussten wir, dass unser Baby auf jeden Fall reisetauglich ist.

Mini-Checkliste

Dass auch ihr perfekt auf euer Test-Wochenende vorbereitet seid, kommen hier noch die absoluten Must-haves für euren Kurztrip:

  • Kleidung für 2-3 Tage
  • Babynahrung/Snacks
  • Kinderwagen und/oder Trage
  • Babybett (falls nötig)
  • Lieblingsspielzeug/Kuscheltier
  • Kleine Reiseapotheke

Unsere kostenlosen ausführlichen Packlisten findet ihr hier.

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