Warum wir mit Kind langsamer reisen – und es lieben
Früher wollten wir auf unseren Reisen möglichst viel erleben, möglichst viele Orte entdecken und möglichst viele Programmpunkte unterkriegen – wir haben es genossen, aber manchmal war es auch ein wenig „abhaken“.
Das Reisen mit Kind hat nicht nur unsere Tagesabläufe verändert, sondern auch den Blick aufs Reisen. Heute geht es uns nicht mehr darum, jeden Tempel zu besichtigen oder von Strand zu Strand zu hoppen – sondern um die gemeinsame Zeit, um alltäglichere Dinge und um die besonderen Erlebnisse vor Ort.
Langsamer zu reisen war für uns ein logischer Schritt, denn es hat uns den Alltag unterwegs erleichtert.
Was „langsamer reisen“ für uns konkret bedeutet
Langsamer zu reisen bedeutet für uns:
- Weniger Ortswechsel und somit längere Aufenthalte an einem Ort
- Weniger Programmpunkte, vor allem weniger fixe Pläne
- Mehr Zeit für scheinbar kleine Dinge
Warum uns das Reisen dadurch mehr gibt als früher
Früher haben wir gerne Rundreisen gemacht und viele Orte erkundet – und das war wirklich toll, wir haben viel gesehen und hatten oft das Gefühl, ein ganzes Land in zwei oder drei Wochen kennengelernt zu haben. Heute haben unsere Reisen meistens zwei oder maximal drei Stopps – und dadurch erleben wir fast ein bisschen Alltag woanders: wir kennen die Restaurants, die Supermärkte und lernen oft auch Menschen kennen. Wir schauen vielleicht weniger verschiedene Orte an, aber die, die wir sehen, erleben wir umso intensiver, wir haben das Gefühl, wirklich da zu sein und die Atmosphäre ganz anders aufzusaugen. Noch immer erkunden wir gerne die Umgebung, aber wir machen uns weniger Druck, müssen nicht mehr alles sehen und so bleibt auch mehr Raum für spontane Momente und für kleine Erlebnisse, die sich nicht vorher planen lassen. Heute reisen wir anders als früher, alles hat seine Zeit, und die aktuelle genießen wir gerade sehr.
Dinge, die früher nebensächlich waren – und heute Highlights sind
Heute haben für uns andere Dinge eine Bedeutung als früher.
Auch bevor wir Eltern wurden, haben wir gerne mal einen Tag an einem schönen Sandstrand verbracht – als unser Sohn nun auf den Malediven fröhlich ins flache Wasser gerannt ist und freudig geplantscht hat, wussten wir aber, dass Strandtage für uns nun aufregender und viel schöner werden.
Früher fanden wir ein Frühstück im Freien mit Meerblick auch schon toll – als wir auf Koh Samui draußen gefrühstückt haben und uns dort kleine Vögelchen besucht haben, die unser Kind zum Strahlen gebracht haben, wurde die Mahlzeit allerdings zum absoluten Highlight.
Als Paar haben wir schon häufig Wasserfälle besucht und fanden sie immer beeindruckend – als unser Kleiner in der Dominikanischen Republik von einem Souvenirverkäufer zum Schutz vor dem Wasser ein Hütchen aus einer Plastiktüte gebastelt bekommen hat, haben wir allerdings gemerkt, dass das Drumherum mindestens genauso wichtig ist wie die eigentliche Sehenswürdigkeit.
Was früher nebensächlich war, kann heute ganz wichtig sein.
Ist langsames Reisen „weniger erleben“?
Erlebt man weniger, wenn man langsamer reist? Ganz klar: nein!
Wir sehen jetzt weniger Attraktionen als früher, aber wir erleben die Länder und Orte heute ganz anders, viel intensiver. Weniger Sehenswürdigkeiten abhaken bedeutet nicht, dass man eine Region weniger erkundet hat – vielleicht hat man sie dafür umso mehr gefühlt.
Auf keiner unserer Reisen mit Kind hatten wir das Gefühl, etwas verpasst zu haben – ganz im Gegenteil, immer hatten wir eine unglaublich schöne Zeit und sind mit ganz vielen neuen Eindrücken und gemeinsamen Erlebnissen im Gepäck nach Hause zurückgekehrt.
Fazit: Diese Art zu reisen passt gerade zu uns
Gerade fühlt es sich genau richtig an, langsamer zu reisen – es passt perfekt zu unserer aktuellen Lebensphase. Das bedeutet aber nicht, dass wir nicht irgendwann auch wieder anders reisen werden. Weder schneller noch langsamer reisen ist für uns besser oder schlechter, es ist wundervoll, einen Ort intensiver zu erleben, aber genauso ist es toll, ganz viel von einem Land zu sehen. Die Art zu reisen darf sich anpassen: an die aktuelle Situation und die an die eigenen Wünsche.
Heute ist unser Kind noch klein und das langsame Reisen passt für uns dazu. Natürlich wird er aber älter und dann darf das Reisen sich dem Leben anpassen, nicht umgekehrt.
Vielleicht reisen wir später wieder schneller, vielleicht bleiben wir beim langsameren Reisen und vielleicht wird es einfach einen Mix geben. Wir lassen es auf uns zukommen und tun das, was gerade passt – im Moment fühlen wir uns langsam genau richtig.