Jetlag mit Baby oder Kleinkind: Unsere Erfahrungen und Tipps für entspannte Fernreisen
Die Zeitverschiebung und der damit oft einhergehende Jetlag ist für viele Familien bei Fernreisen ein Dorn im Auge. Auch wir waren vor der ersten Fernreise etwas verunsichert – und ehrlich gesagt bei den späteren auch, denn innerhalb von einigen Monaten kann sich das Schlafverhalten eines Babys ja schon ziemlich verändern. Die gute Nachricht ist allerdings: es lief immer viel besser als befürchtet.
Was ist Jetlag eigentlich?
Jetlag entsteht, wenn unsere innere Uhr nicht mehr mit der tatsächlichen Uhrzeit am Reiseziel übereinstimmt. Das passiert vor allem bei Fernreisen in den Westen oder Osten, bei denen mehrere Zeitzonen übersprungen werden. Während es am Urlaubsort schon spät am Abend ist, denkt unser Körper, dass es erst Vormittag ist – wie zuhause. Als Faustregel heißt es oft, dass pro Stunde Zeitverschiebung ungefähr ein Tag nötig ist, um sich an die neue Zeit zu gewöhnen.
Haben Babys und Kleinkinder überhaupt Jetlag?
Erwachsene merken den Jetlag häufig daran, dass sie abends nicht einschlafen können oder mitten in der Nacht hellwach sind und nicht mehr in den Schlaf finden – oder daran, dass sie zu ungewöhnlichen Zeiten Hunger haben. Empfinden Babys und Kinder das genauso? Grundsätzlich ja, denn auch sie haben – je nach Alter einen mehr oder weniger ausgeprägten – Schlaf- und Essrhythmus. So kann sich ein Jetlag auch bei Kindern durch veränderte Essgewohnheiten, Müdigkeit am Tag, Schlafprobleme in der Nacht – und somit auch manchmal durch schlechte Laune – bemerkbar machen.
Unsere Erfahrungen mit Jetlag beim Reisen mit Kind
Als wir unsere erste Fernreise mit Baby gemacht haben, war unser Kleiner ungefähr ein halbes Jahr alt. Wir sind mit einem Zwischenstopp von einer Nacht in Kanada in die Dominikanische Republik geflogen – und wir hatten alle überhaupt keinen Jetlag. Wir sind abends in Kanada angekommen, mit dem Shuttle zum Hotel gefahren, haben noch etwas gegessen und haben dann relativ früh geschlafen, waren aber dadurch schon ein wenig an die neue Zeitzone gewöhnt und somit an unserem ersten Tag in der Dominikanischen Republik – an dem wir auch erst abends in unserer Unterkunft angekommen sind – eigentlich schon richtig gut an die neue Zeit angepasst. Auch bei der Rückreise hatten wir keine Probleme und konnten direkt wieder gut schlafen.
Unsere nächste Fernreise hat uns kurz vor dem ersten Geburtstag unseres Sohnes nach Thailand geführt. Mittlerweile hatte er einen sehr viel steteren Schlafrhythmus als wenige Monate zuvor. Das hat sich auch bemerkbar gemacht: an den ersten Abenden war der kleine Mann topfit und ist abends erst sehr spät eingeschlafen. Wir haben morgens dann allerdings die Vorhänge nicht allzu spät geöffnet und haben nicht bis Mittag geschlafen. Die Tagschläfchen waren an den ersten Tagen etwas länger und wir haben darauf geachtet, dass wir abends trotzdem recht zeitig zurück im Hotel sind. An den ersten drei bis vier Abenden wurde es schrittweise immer ein wenig früher und dann waren wir alle komplett akklimatisiert und hatten den normalen Rhythmus zurück. Nach der Rückreise war es anders, da haben wir uns alle direkt wieder eingelebt, ganz ohne Schlafprobleme.
Viel einfacher war es auf den Malediven, denn durch die geringe Zeitverschiebung von nur drei Stunden haben wir uns super zurechtgefunden.
Bei unserer Reise nach Mexiko mit einem gut eineinhalb-jährigen Kleinkind hatten wir einen Zwischenstopp in den USA spät am Abend, durch den wir alle sehr lang wach waren. Nach einem kurzen Schläfchen auf dem Flug von Atlanta nach Cancún und der anschließenden erneuten Wachphase bei der Einreise und Fahrt zum Hotel haben wir abends alle direkt geschlafen und waren dann am nächsten Morgen um 6 Uhr wach. Obwohl wir abends gut durchgehalten haben und nicht allzu früh im Bett waren, ist unser Kleiner um 5 Uhr aufgewacht. Danach waren wir aber direkt bei 7 Uhr und einen Tag später haben wir noch ein wenig länger geschlafen – im Endeffekt waren wir also an einem Tag sehr früh wach und haben dann gut in die neue Zeitzone gefunden. Bei der Rückreise waren wir direkt wieder im normalen Rhythmus.
Sobald unser Kind also einen wirklichen Schlafrhythmus hatte, haben wir die Auswirkungen schon gespürt, allerdings waren wir immer nach wenigen Tagen in der neuen Zeitzone angekommen.
Unsere wichtigsten Tipps gegen Jetlag bei Kindern
Vor der Reise nicht verrückt machen
Eigentlich war mein Plan vor der ersten Fernreise, uns schon ein paar Tage vorher etwas an die neue Zeitzone anzupassen – das hat aber überhaupt nicht geklappt. Allerdings habe ich mich nicht hineingesteigert und dachte „irgendwie wird es schon funktionieren“ – und genauso war es dann auch. Es ist viel wichtiger, ausgeschlafen in die Reise zu starten als schon vorher groß vorbereiten zu wollen, denn am Ende kommt es sowieso oft anders als erwartet. Mit einer positiven Einstellung ist man schon einen ganzen Schritt weiter.
Schnell in die neue Zeitzone wechseln
Auch wenn es manchmal schwerfällt, versuchen wir immer schnell in die neue Zeitzone zu wechseln, d.h. weder bis mittags zu schlafen, noch direkt nach dem Abendessen ins Bett gehen. Das haben wir schon gemacht als wir zu zwei gereist sind und auch jetzt mit Kind führen wir es so fort. Vor allem tagsüber lässt sich Müdigkeit gut mit Aktivitäten und Zeit an der frischen Luft bekämpfen. Uns haben auch Zwischenstopps auf den Flügen teilweise sehr gut geholfen. Natürlich ist eine Stunde länger schlafen als üblich auch in Ordnung – das Ziel ist eine schnelle Anpassung, aber mit Sinn und Verstand.
Nicht jeden Schlaf minutiös planen
Urlaub ist sowieso immer Ausnahmezustand und ein Jetlag verstärkt das nochmal. Somit ist es auch völlig in Ordnung, wenn der übliche Schlafrhythmus mal aus den Fugen gerät. Es ist auf jeden Fall hilfreich, flexibel zu sein und die Situation anzunehmen, wie sie ist – nicht auf Biegen und Brechen irgendwelche Schlafenszeiten einzuhalten. Anpassungsfähigkeit schlägt Perfektion.
Mittagsschlaf und Nickerchen nutzen
Um Müdigkeit zu vermeiden, sind die – sowieso üblichen – Tagschläfchen bei kleinen Kindern sehr hilfreich. Wir haben immer darauf geachtet, dass der Mittagsschlaf nicht zu lang wird, sodass unser Kleiner abends wieder müde ist. Wenn es aber gerade an den ersten Tagen mal zwei statt normalerweise einem Tagschlaf ist, sehen wir das auch locker.
Erwartungen anpassen
Es ist normal, dass man nach einer größeren Zeitverschiebung in den ersten Tagen einen Jetlag hat – sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Dementsprechend ist es gut, die eigenen Erwartungen anzupassen. Vielleicht startet man nicht gleich mit bester Laune in den Urlaub, aber nach wenigen Tagen wird es meist schon besser – also lieber gerade am Anfang flexibel mit der Tagesgestaltung umgehen.
Jetlag auf dem Hinflug und Rückflug: Was ist schwieriger?
Zwar habe ich schon oft gehört, dass die Anpassung nach der Rückreise bei anderen schwieriger ist, wir hatten damit seit Jahren überhaupt keine Probleme mehr: zuhause haben wir unseren gewohnten Rhythmus und durch die Arbeit gewöhnen wir uns schnell wieder an die Zeitzone.
Was wir beim nächsten Mal wieder genauso machen würden
Bevor wir Flüge gebucht haben, haben wir immer gerechnet, wie das zu den Schlafenszeiten unseres Kindes passt und ob die Zwischenstopps nun gut oder schlecht sind. Jedes Mal haben wir uns Gedanken gemacht – und immer kam es am Ende anders, meist viel besser als erwartet. Wir haben gelernt, dass unser Kind sich seinen Schlaf nimmt, wenn er ihn braucht und dass außergewöhnliche Situationen auch außergewöhnliche Schlafenszeiten mit sich bringen. Mittlerweile gehen wir mit Jetlag wirklich entspannt um: wir wissen, dass es grundsätzlich kein großes Problem für uns ist – und im worst case sind wir eben mal nachts um 3 wach. Das ist natürlich nicht optimal, aber auch kein Grund, die Fernreise nicht zu machen.
Fazit
Oft gehört Jetlag zu Fernreisen dazu, aber es ist in der Regel ein vorübergehendes Phänomen und häufig kommen Kinder besser als erwartet damit zurecht. Am wichtigsten ist es, flexibel damit umzugehen und nicht allzu besorgt zu sein. Auch wenn es mal einige Tage dauern sollte, bis sich alle Familienmitglieder an die neue Zeitzone angepasst haben, stehen dann bestimmt immer noch einige tolle Urlaubstage bevor. Auf jeden Fall sollte die Sorge vor dem Jetlag nicht so groß sein wie die Vorfreude auf die Reise.