Reisen mit Kleinkind ist anstrengend – lohnt es sich trotzdem? Unsere ehrlichen Erfahrungen

Die ehrliche Wahrheit

Reisen mit Kleinkind wird oft romantisiert – ehrlicherweise haben auch wir oft behauptet es wäre „gar nicht so anstrengend“, weil wir es tatsächlich einfach nicht so empfunden haben. Nun haben aber auch wir einige anspruchsvolle Reisetage erlebt und uns auch selbst mal die Frage gestellt, ob wir weiterhin (so) mit Kleinkind reisen wollen.

Warum Reisen mit Kleinkind anstrengend ist

Aus mehreren Gründen kann Reisen mit Kleinkind schwierig sein:

  • Man ist weniger flexibel und muss einige Dinge schon vorher genau planen – um dann festzustellen, dass der Plan nicht so ganz aufgeht.
  • Der Schlafrhythmus des Kindes bestimmt den Tag – je nach Häufigkeit der Tagschläfchen müssen somit Pausen eingeplant werden und abends ist irgendwann Unterkunft statt Cocktail in der Beach Bar angesagt.
  • Trotz Urlaub bedeutet Reisen mit Kleinkind oft nicht „Erholung“, denn es ist permanente Aufmerksamkeit gefragt
  • Die „Logistik“ (Packen, Flüge, Transfers) können nervenaufreibend werden
  • Auf Reisen ist man 24/7 für das Kind verantwortlich – keine Fremdbetreuung, keine Omas und Opas, keine „Pausen“ (zumindest wenn man niemanden mitnimmt, Reisen mit Oma und Opa ist natürlich auch eine Möglichkeit)
  • Man ist weg vom kindersicheren Umfeld in der gewohnten Umgebung

Als wir in Mexiko waren, hatten wir einen richtig anstrengenden Tag: unser Kleiner war um 5 Uhr wach (danke Jetlag), also haben wir schon mal 2 Stunden im Hotelzimmer Zeit totgeschlagen bis wir überhaupt erstmal zum Frühstück gegangen sind – und das war echt schwierig, denn natürlich möchte man leise sein, um keine anderen Hotelgäste zu wecken, ist selbst noch müde und all die Gefahren wie Steckdosen muss man auch im Blick haben. Am Vormittag haben wir dann einige Zeit am Hotelpool verbracht – grundsätzlich super, aber natürlich ist auch hier immer volle Aufmerksamkeit gefordert. Anschließend wollten wir noch schnell in ein Einkaufszentrum fahren, um Bargeld abzuheben und der Kleine ist im Auto eingeschlafen, viel zu früh und nicht zu der Zeit, die wir eigentlich „geplant“. In der Mall hat alles problemlos funktioniert und auch das Packen im Hotelzimmer ging besser als erwartet. Wir sind dann über zwei Stunden Auto gefahren, zu dieser Zeit hätte er eigentlich schlafen sollen, war dann aber erstmal topfit – und Autoentertainment ist wirklich anstrengend. Zum Glück gab es dann doch noch ein Schläfchen, wobei sich das während einer Autofahrt auch nicht wirklich wie eine „Pause“ anfühlt, in der man selbst auch mal abschalten kann. Mit all unserem Gepäck ging es dann zur Fähre, die erstmal erkundet wurde – wir lieben es, dass unser kleiner Entdecker so neugierig ist, aber es bedeutet eben auch, dass man selbst immer auf Achse ist. Auf der Insel angekommen haben wir unser Kind und das ganze Gepäck bis zum Hotel transportiert – super anstrengend. Danach waren wir nochmal am Pool und sind durch den Ort spaziert, auch immer mit voller Aufmerksamkeit, weil ein Kleinkind eben noch nicht weiß, dass es nicht auf die Straße rennen darf. Beim Abendessen haben wir nacheinander gegessen. Im Supermarkt haben wir aufgepasst, dass er nichts kaputtmacht. Abends im Hotelzimmer waren wir wirklich einfach erschöpft. Unser Kleiner hatte absolut nichts falsch gemacht, er ist kein „anstrengendes Kind“, er ist eben ein Kleinkind, für das alles spannend ist – und eigentlich ist ja genau das wunderschön.

Warum wir trotzdem reisen

Genau diese Neugierde, mit der Kleinkinder durch den Tag gehen, führt dazu, dass man auch unglaublich viele schöne Momente auf Reisen erlebt: wenn das Kind im Wasser plantscht und fröhlich lacht; wenn es einen Vogel oder einen Hund entdeckt und begeistert ruft; wenn es Muscheln oder Steine findet und stolz damit spielt.

Unser Sohn hat auf dieser Reise so viel neues gelernt, Dinge entdeckt und sich Neues getraut und es war einfach wunderschön, das gemeinsam erleben zu können.

Auf Reisen verbringen wir immer ganz viel Zeit als Familie – und natürlich kann man das auch Zuhause, aber irgendwie gibt es da ja auch den Haushalt und so manch andere Sachen, die dann gerne mal davon ablenken, bewusst Zeit miteinander zu verbringen.

Unterwegs erkunden wir zusammen neue Orte und schaffen gemeinsame Erinnerungen – und auch wenn es mal anstrengende Tage gibt, wiegen die schönen Momente für uns all das auf.

Was sich verändert hat

Heute reisen wir anders als früher – und versuchen alles so zu gestalten, dass es eben nicht allzu anstrengend ist.

Wir haben weniger fixe Pläne, weniger Sehenswürdigkeiten, die wir unbedingt anschauen wollen und weniger Zeitdruck. Einfach weniger „abhaken“, mehr „treiben lassen“.

Wir schließen bestimmte Urlaubsformen und Orte nicht mehr kategorisch aus – Resort-Urlaub? Touri-Hotspots? All-inclusive? Wir waren nie absolute Gegner davon, aber jetzt mit Kind sind wir sehr viel offener dafür.

Wir reisen langsamer. Weniger Stopps bedeutet weniger Ein- und Auspacken, weniger Transfers, weniger neu einleben.

Wir haben andere Prioritäten. Es geht gerade nicht darum, möglichst viel zu sehen, sondern viel mehr darum, ein Land gemeinsam zu erleben – aber tatsächlich sehen wir auch mit Kleinkind wirklich viel, denn es gibt nicht anstrengenderes als mit einem kleinen Kind in einem engen Raum zu bleiben.

Wir machen uns Dinge bewusst leicht. Ein Nachmittag im Pool statt Sightseeing, Pommes statt Reis, Unternehmungen nacheinander statt gemeinsam – manchmal sind es Kleinigkeiten, die darüber entscheiden, ob eine Situation entspannt bleibt oder nicht.

Alles in allem hat sich unsere Einstellung einfach geändert. Natürlich gibt es Momente, in denen wir mal zweifeln, aber gibt es die im Leben von Eltern nicht ständig?

Für wen sich Reisen mit Kleinkind lohnt – und für wen vielleicht nicht

Ist Reisen mit Kleinkind nun eine gute Idee oder eher nicht? Wir glauben, es kommt ganz darauf an, welche Einstellung man hat.

Wenn man:

  • Flexibel ist
  • Seine Erwartungen gut anpassen kann
  • Nicht alles sehen muss

lohnt es sich, auch mit Kleinkind loszuziehen.

Wenn man:

  • Einen „perfekten Urlaub“ erwartet
  • Möglich viel sehen will
  • Wenig Geduld hat

ist es vielleicht nicht die beste Idee.

Man sollte es sich selbst schon zutrauen und es auch wirklich wollen, denn wer nur gezwungenermaßen mit Kleinkind reist, hat bestimmt wenig Spaß dabei – und das Kind dann ebenso wenig.

Was uns geholfen hat

Einige Dinge haben uns geholfen, möglichst entspannte Reisen mit Kleinkind zu erleben (auch wenn das nicht bedeutet, dass es nie anstrengend ist):

  • Weniger Ortswechsel, lieber nur eine bis zwei Unterkünfte und von dort Tagesausflüge unternehmen
  • Gute Vorbereitung
  • Bewusst „einfache“ Reiseziele – auch wenn es bedeutet, nochmal an Orte zurückzukehren, die man bereits bereist hat
  • Das richtige Gepäck
  • Keine durchgetakteten Zeitpläne

Fazit – die ehrliche Antwort

Ja, Reisen mit Kleinkind kann anstrengend sein – aber eben auch wunderschön. An dem Tag nach unserem „anstrengenden Reisetag“ sind wir vormittags mit einem Golfcart über die Insel gedüst und haben den Nachmittag am Pool verbracht – und es war richtig entspannt. Wir haben etwas Neues gesehen, haben gemeinsam im Wasser geplantscht und wussten wieder, dass es sich absolut lohnt, auch mal ein paar stressige Momente durchzustehen. Und sein wir mal ehrlich: was gibt es Anstrengenderes als einen Regentag mit Kleinkind zuhause? Nichts, und da mussten wir sicherlich alle schon mal durch. Also packen wir weiterhin unsere Koffer und freuen uns auf all die Abenteuer, die noch vor uns liegen. Denn Reisen mit Kleinkind ist sicherlich nicht immer einfach, aber immer wertvoll.

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